Buchtipp
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Gironimo!

Covadonga

Ein Mann, ein Rad und die härteste Italien-Rundfahrt aller Zeiten.

Tim Moore fährt auf einem alten Rennrad ohne Gangschaltung mit Holzfelgen und Korkbremsen den Giro d’Italia wie vor 100 Jahren – und schreibt einen Erzählung darüber.

Zur Jahrtausendwende quälte sich der bekennende Faulpelz Moore in „Alpenpässe und Anchovis“ völlig untrainiert über die Originalstrecke der berühmten Tour de France. In „Zwei Esel auf dem Jakobsweg“ liefen er und sein widerspenstiger tierischer Begleiter Shinto sich dann auf einem 800 Kilometer langen Pilgermarsch auf dem Jacobsweg durch Spanien die Füße und Hufe wund.

Gironimo!

Gironimo!

Und nun fasste er den Entschluss, sich einer noch imposanteren Herausforderung aus einer Ära echter, tadelloser Radsporthelden zu stellen – und stößt auf den Giro d’Italia 1914, das vielleicht grausamste Radrennen der Geschichte. 400 Kilometer lange Nonstop-Etappen durch verheerende nächtliche Unwetter; unaufhörliche Sabotageakte; Rotwein und rohe Eier als Marschverpflegung: Von den 81 Rennfahrern, die dereinst in Mailand losrollten, schafften es nur acht wieder zurück.

Leseprobe Prolog Gironimo!:

„Als er in der Haltebucht quitschend zum Stillstand kommt, krachen seine in Wolle verpackten Genitalien mit Schmackes aufs Oberrohr.
Die Fortpflanzungsorgane des Mannes sind nicht die einzigen empfindlichen Teile, die ihre ursprüngliche Form längst verloren haben. Auch die beiden Räder seines Gefährts sind nicht mehr ganz so rund, wie man es normalerweise erwarten würde, dafür besitzen sie einen umso höheren Holzanteil. So etwas wie eine Schaltung sucht man an dem ganzen Rad vergeblich, und wer genau hinschaut, kann auf den von grober Hand geschnitzten Bremsklötzen die Worte „VINI DI CHIANTI“ erkennen. Ein Kenner der Materie könnte die Maschine, das Gewicht und die Geometrie des rostigen Rahmens in Betracht ziehend, auf die frühsten Kindertage des wettbewerbsmäßigen Ausdauersports datieren. Dieses Rad, würde der Experte korrekt ableiten, ist knapp einhundert Jahre alt. Und der Mann da, würden sie ihm lapidar entgegnen, ist gerade in Tränen ausgebrochen.“

Im Streben nach maximaler Authentizität gelobt der Abenteurer aus England, genau die Strecke zu fahren, die sie fuhren, genau das Material zu verwenden, das sie verwendeten, und genau das zu tragen, was sie trugen. Also legt er sich das zerstörte Gerippe eines Rennrads Baujahr 1914 zu, ohne Gangschaltung, aber mit Felgen aus Holz, dazu ein paar Straßenkarten und ein besorgniserregendes Outfit, das von einer Schweißerbrille mit blauen Gläsern gekrönt wird.

www.covadonga.de

GIRONIMO! ist die Saga vom Kampf mit den gnadenlosen Topografien und Autofahrern des Italiens zwischen Alpen und Apulien. Die Geschichte zweier vom Alter Gebeutelter, Genussmensch und Rennmaschine, die sich gemeinsam tausend verlassene Hügel hinaufquälen. Nur um auf der anderen Seite im freien Flug wieder hinab ins Tal zu jagen – im Vertrauen auf Bremsen, die aus Weinkorken gemacht sind.

Eine tolle Reiseerzählung aus dem Hause Covadonga – nicht für Rennradfahrer.

1 Kommentare

  1. Sarah Frieser sagt

    Danke. für den tollen Buchtipp! Werde ich mir Montag bestellen. Klingt ja total interessant und die Leseprobe ist ja schon ganz lustig. Gerne noch mehr Büchertipps, wenn ihr welche habt 🙂
    Grüße aus Sexten!

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